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Hochwassersituation in Niederösterreich (02.Juni.2013)

Die Hochwassersituation wird immer prekärer. In St. Valentin (Bezirk Amstetten) ist die Enns über die Ufer getreten. An der Donau droht ein Hochwasser wie 2002. Es ist die erste Bewährungsprobe für die mobilen Schutzdämme in der Wachau. Die Altstadt von Melk wurde teilweise bereits überflutet. In Klosterneuburg und Kritzendorf lief eine großräumige Evakuierung.

Am Sonntagabend forderte die Polizei alle Bewohner der Siedlungen im Augebiet der Donau in Klosterneuburg und Kritzendorf auf, ihre Häuser zu verlassen und die Autos zu entfernen. Die Donau dürfte am Montag und Dienstag noch einmal um eineinhalb Meter steigen, der Strom in den Siedlungen muss abgeschaltet werden. Auskünfte gibt es bei der BH Wien-Umgebung unter der Nummer 02243-9025.

150 Feuerwehren waren am Sonntag in ganz NÖ im Einsatz. In der Wachau wurden Teile der Melker Altstadt überflutet. Die gesamte Innenstadt muss evakuiert werden. Die Feuerwehr musste bereits einige Häuser aufgeben, andere wurden ausgepumpt. 250 bis 300 Personen sind betroffen. In der Nacht drohen dann in der Stadt, in der es keinen mobilen Hochwasserschutz gibt, großflächigere Überflutungen, heißt es von der Feuerwehr. Auch die Einsatzkräfte stehen vor einem Problem, das provisorische Feuerwehrhaus steht im Überschwemmungsgebiet.

Alle Schutzanlagen in der Wachau sind im Vollausbau. Die Frage ist, ob die Dämme halten. Ab Montagmittag kann die Feuerwehr „nicht ausschließen“, dass das Wasser über die Schutzwände schwappt. Auch am Sonntagabend wurden die Prognosen als „unsicher“ bezeichnet.

Aufgrund des erstmaligen Vollaufbaues des Hochwasserschutzes in den Wachaugemeinden erging von der Feuerwehr außerdem der Aufruf an alle Bürger, „ihre Fahrzeuge im Bereich der Donau bzw. bei der Hochwasserschutzwand zu entfernen und sich auch nicht in diesem Gebiet aufzuhalten.“ Im Kremser Stadtteil Stein wurden alle Bewohner ersucht, ihre Autos Montagfrüh im gesamten Stadtteil nicht abzustellen. Gesperrt wurde am Sonntag auch die Donau Bundesstraße (B3) in Krems, so die Feuerwehr. Für die B35 (Ringstraße) gelte diese Maßnahme ab Montag um 6.00 Uhr. Die Zufahrt zum Ortsteil Stein wird ab diesem Zeitpunkt nur mehr für Einsatzkräfte möglich sein. Sand und Sandsäcke würden in der Nacht angeliefert und bereitgestellt.

„An der Donau steuern wir auf 2002 zu“, so sagte der für Katastrophenschutz zuständige Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) am Sonntag. Ein Jahrhundert-Hochwasser landesweit wie vor knapp elf Jahren werde es jedoch nicht geben. Alle Orte und Bezirke an der Donau wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Das bedeutet, dass die Kosten der Freiwilligen von der öffentlichen Hand bezahlt werden, sagte Pernkopf am Sonntagabend.

Evakuierungen gab es am Sonntag auch in Marbach und Emmersdorf im Bezirk Melk sowie im Ortsteil Hinterhaus von Spitz (Bezirk Krems). In der Wachau-Gemeinde Dürnstein wurden Sonntagmittag Bewohner aus tieferliegenden Objekten in Sicherheit gebracht. In Ardagger-Markt ist die Donau zwar noch nicht über die Ufer getreten, auch dort mussten laut Feuerwehr aber bereits 30 Häuser geräumt werden.

Verantwortlich für den hohen Wasserstand der Donau sind die heftigen Niederschläge im Raum Bayern, Salzburg, Oberösterreich. Vor allem der Inn und die Donauzubringer in Bayern tragen laut dem hydrologischen Dienst wesentlich zur prekären Lage bei.

In der Wachau wird am Dienstag, wenn die Wassermassen aus dem Westen durchfließen, ein Pegel von fast elf Metern erwartet. Zum Vergleich: Beim August-Hochwasser 2002 waren 10,90 Meter gemessen worden. Für Korneuburg waren Sonntagvormittag im 48-Stunden-Zeitraum 7,72 Meter prognostiziert. Vor knapp zehn Jahren hatte der Pegel dort 7,89 Meter erreicht.

„Der wahrscheinlichste Wert deutet auf ein hundertjährliches Hochwasser hin, allerdings ist die Situation nicht ganz so kritisch wie 2002. Da hatten wir das Zusammentreffen des mehr als 1000-jährlichen Kamphochwassers mit dem Donauhochwasser. Derzeit verhält sich der Kamp sehr moderat, momentan ist auch kein Kamphochwasser absehbar“, sagt Christian Labut vom hydrografischen Dienst des Landes. Er ging am Sonntag davon aus, dass die mobilen Schutzbauten das Wasser aus Orten wie Spitz oder Weißenkirchen fernhalten können. Laut Feuerwehr sind die Bauten auf eine Pegelhöhe von elf Metern ausgelegt. Es gibt 25 Zentimeter Reserve, auf die Wände können noch Sandsäcke gelegt werden.

St. Valentin (Bezirk Amstetten) wurde von den Enns-Fluten schwer getroffen. Sonntagabend musste eine Frau aus einem vom Hochwasser eingeschlossenen Haus gerettet werden, auch die Feuerwehrzentrale war bedroht, teilte Philipp Gutlederer vom Bezirkskommando mit. Zahlreiche Objekte in der 30 Jahre jungen Stadt seien überschwemmt.

Die gerettete Frau wurde zunächst bei der Feuerwehr untergebracht und versorgt. Weil auch der Zentrale der freiwilligen Helfer die Überflutung drohte, rückten in den Abendstunden Kräfte aus Amstetten mit Sandsäcken an. Es sollte versucht werden, das Objekt zu retten, so Gutlederer. In Aschbach mussten mehrere Personen evakuiert werden.

Allein im Bezirk Amstetten standen Sonntagabend bereits mehr als 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Montagfrüh würden weitere Kräfte zur Unterstützung angefordert, sagte der Sprecher. Es gingen laufend Notrufe ein. Die Bereichsalarmzentrale bleibe ebenso – und verstärkt – besetzt wie der Bezirksführungsstab.

Insgesamt waren am Sonntag in ganz Niederösterreich fast 150 Feuerwehren im Hochwassereinsatz. Auch im Waldviertel machte der Regen Probleme. Im Bezirk Gmünd trat die Lainsitz über die Ufer.

Fotos: Einsatzdoku – Text: ORF NÖ

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